Entwicklung des Kindes

Handhabung

Handling

Handling. Ein tausendfach wiederholtes Thema auf Mama-Websites sowie in den sozialen Medien von Physiotherapeuten und verschiedenen Bewegungslehrern. Aber was ist das eigentlich? Woher kommt es? Wozu ist es gut? Lassen Sie uns dieses Thema gemeinsam etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Der Begriff Handling stammt vom englischen Verb “to handle”, das wir mit zwei Bedeutungen übersetzen könnten – und ich persönlich mag beide. Sowohl die Bedeutung von „bewältigen“ als auch die, die uns näher ist, „etwas handhaben“ bzw. „mit etwas manipulieren“. Der Begriff selbst stammt aus dem Konzept der Eheleute Bobath, die es in den 1940er-Jahren ursprünglich für neurologische Patienten entwickelten. Bei Babys begannen die Schweizer Ärztin Elizabeth König und die englische Physiotherapeutin Mary Quinton mit dieser Methode zu arbeiten.

Was ist Handling?

Handling ist ein Begriff, der jede Art von Umgang mit dem Baby umfasst, jede Stimulation durch die Umgebung, Geräusche und Licht, und sein Ziel ist es, das Baby dabei zu unterstützen, Bewegungen richtig auszuführen. Als Therapeuten verstehen wir Handling als ganzheitlichen Ansatz für das Baby; wir verwenden ihn 24 Stunden am Tag, beim An- und Ausziehen und bei jedem Hochheben oder sonstigen Umgang mit dem Baby. Ein solcher Ansatz lässt sich dann nur schwer mit Übung vergleichen, wie wir sie uns als Trainingseinheit vorstellen. Handling nutzt die Reaktionen des Babys auf äußere Reize. Wir beobachten, wie sich das Baby in Bezug auf die Umgebung bewegt und wie es darauf reagiert. Wir wählen gezielt solche Berührungen und Kontakte aus, damit das Baby die jeweilige Bewegung seinem Alter entsprechend ausführen kann. Das Baby erlebt die von uns unterstützte Bewegung, bekommt eine Belohnung (zum Beispiel greift es nach einem Spielzeug und steckt es in den Mund), und durch das schrittweise Zurücknehmen unserer Einflüsse auf sein Bewegungsmuster lernt es, die Bewegung auch ohne Hilfe auszuführen.

Ist Handling für alle Kinder geeignet?

Generell lässt sich Handling und die Stimulation des Babys nur bei gesunden Kindern mit unauffälliger psychomotorischer Entwicklung empfehlen. Bei Kindern, bei denen wir bereits eine Abweichung von der Norm beobachten, ist es nötig, therapeutisch zu beurteilen, was ihnen bei der jeweiligen Bewegung fehlt und wie sich das Problem lösen lässt. Genau wie verschiedene Kinder verschiedene Probleme haben, haben sie auch unterschiedliche Persönlichkeiten. Ein Ansatz, der für das eine Kind passt, muss für ein anderes nicht geeignet sein. In jedem Fall ist es notwendig, herauszufinden, worauf das Kind richtig reagiert.

Wann sollte man sich mit Handling beschäftigen?

Handling mit dem Baby sollte Teil des Grundwissens in der frühen Elternschaft sein, denn das Nervensystem eines Kindes ist sehr anpassungsfähig, und durch falschen Umgang können wir sogar einem gesunden Baby ein Bewegungsproblem verursachen. Durch eine unangemessene Überlastung des Bewegungsapparats, etwa durch ungeeignetes oder einseitiges Tragen, gewöhnt sich das Baby an eine bestimmte Position und übernimmt das erlernte Anspannen der Muskeln auch in andere Bewegungen, zum Beispiel auf der Krabbeldecke. Das bedeutet, dass sich eine Mutter, wenn sie Rechtshänderin ist, auch daran gewöhnen sollte, das Baby auf dem rechten Arm zu tragen, und beide Seiten regelmäßig abwechseln sollte.

Was sollte man daraus mitnehmen?

Nicht jeder Elternteil muss Experte für die motorische Entwicklung sein, das ist auch gar nicht möglich, aber allgemein sollte bekannt sein, wie man mit einem Baby in unterschiedlichem Alter umgeht. Ein Neugeborenes heben wir anders hoch als ein einjähriges Kind. Auch die bei uns so verbreitete Kopfstütze ist nicht das absolute Dogma, wenn wir das Baby mit dem Gesicht nach unten hochheben. So lernt es, der Schwerkraft auf eine für es sichere Weise entgegenzuwirken. Um die einzelnen Phasen der psychomotorischen Entwicklung eines Kindes ausführlich zu besprechen, müsste man ein ganzes Buch schreiben. Zum Glück gibt es auf unserem Markt bereits solche Publikationen, und auch verschiedene physiotherapeutische Profile und Seiten in den sozialen Medien bieten Anleitungen an. Achten Sie aber immer darauf, dass die Person, deren Ratschläge Sie befolgen, über ausreichend Ausbildung verfügt, um solche Ratschläge geben zu können. Und wenn Sie unsicher sind, suchen Sie eine Kinderphysiotherapeutin oder einen Kinderphysiotherapeuten auf. Es ist besser, ein unauffälliges Kind einmal zu konsultieren, als ein Kind mit einem Problem behandeln zu müssen. Physiotherapeuten sind keine Strafe, niemand möchte Ihrem Baby mit Übungen schaden. Wir sind da, um Ihnen zu helfen.

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